Geschichte

Die Westend Apotheke

Geschichte der Westend Apotheke 

in Frankfurt am Main

1855 Gründung in der Innenstadt

1884 Umzug in das Westend, Ulmenstraße 37

1901 Umzug nach der Ulmenstraße 49, Ecke Bockenheimer Landstr.

1944 Zerstörung bei dem Großangriff am 22./23. März

1950 Aufbau der heutigen Westend – Apotheke

Eröffnung am 1. August, Brentanostraße 29

2015 Übernahme der Westend Apotheke durch Apothekerin Homira Alavi

  

 

Die wechselvolle Geschichte der WESTEND – APOTHEKE begann am 1. November 1855. Seit dieser Zeit hat die Apotheke ihren Namen geändert, mehrfach neue Räume bezogen und trotz zahlloser Schwierigkeiten und Bombenschäden im letzten Krieg die alte Tradition immer wieder fortgesetzt. In der Brentanostraße 29 kann sie in diesem Jahr ihr hundertjähriges Jubiläum begehen und ihrer Aufgabe dienen: den Menschen vorbeugend, lindernd und heilend zu helfen.

VERLEGUNG DER APOTHEKE IN DIE ULMENSTRASSE

Nach der Angliederung Frankfurts an Preußen im Jahre 1866 erlebte die Stadt einen außerordentlichen Aufschwung. Aus einer deutschen Mittelstadt wurde eine Großstadt. Die alten Landwege, an denen einst nur einige behagliche Gartenhäuser lagen, wurden bebaut. Im Westend entstanden Villen und Mietshäuser der reichen Familien. Die meisten Apotheken lagen noch im Stadtkern. Da erbat der Apotheker Alfred Dun, der die Apotheke nach der Ulmenstraße 37 zu verlegen, weil sich ihr dort bessere Entwicklungsmöglichkeiten boten.

ERNEUTER UMZUG

Um der Apotheke eine noch günstigere Lage zu geben, erwarb Dr. Wertheimer das Haus an der Bockenheimer Landstraße 43, Ecke Ulmenstraße, wohin er nach mancherlei Schwierigkeiten endlich im Jahre 1903 umziehen konnte. Nach erforderlichen Umbauten stattete er die Apotheke auf das Prächtigste aus. Die ganze Einrichtung war aus Mahagoniholz und über dem Verkaufstisch prangte ein großer Messingaufsatz im Jugendstil. Einige Jahrzehnte hindurch blieb dieses äußere Bild der Apotheke unverändert. Während der Kaiserzeit nahm das Frankfurter Geschäftsleben einen großen Aufschwung. Es war die Zeit der Hoflieferanten, und auch die Westend – Apotheke erhielt den Titel Hofapotheke, verliehen vom Landgrafen Hessen.

ERSTER WELTKREIG UND NACHKRIEGSZEIT

In jener Zeit (1905-1906) kam Ernst Loy als junger Gehilfe zu Dr. Wertheimer, von dem er dreißig Jahre später die Apotheke übernehmen sollte. Der erste Weltkrieg und die Nachkriegszeit brachten mancherlei Wechsel bei Kunden und  Mitarbeitern. In der Apotheke bewährte sich erstmals weibliches Personal, seit das pharmazeutische Studium 1898 auch den Frauen zugänglich gemacht wurde. Dem Provisor standen zwei Apothekerinnen zur Seite, außerdem waren mehrere weibliche Hilfskräfte in der Apotheke tätig. In den schwierigen Nachkriegsjahren hatte Dr. Wertheimer wohl manches Mal den Verkauf seiner Apotheke erwogen und schon vor 1933 Verkaufsverhandlungen geführt.

 

IM ZWEITEN WELTKRIEG

Der Krieg stellte große Anforderungen an die Apotheke. Ein fühlbarer Mangel an Arzneimitteln, wovon ein großer Teil der Bewirtschaftung unterstand, machte sich mehr und mehr bemerkbar. Eine besonders ausgedehnte Lagerhaltung war erforderlich. Mit zunehmender Luftgefahr begann die Westend – Apotheke wichtige Medikamente und Apothekengeräte nach sieben verschiedenen Orten auszulagern. Die Herstellung von Eigenspezialitäten bewähre sich auf das Beste, zumal die pharmazeutische Industrie bei weitem nicht mehr dem erhöhten Arzneimittelbedarf gewachsen war. Es war stadtbekannt, dass die Westend – Apotheke immer noch alles hatte, ob es sich nun um Medikamente handelte oder um wertvolle, wohlschmeckende Nährmalz, das man sich kiloweise in Gläser füllen ließ.

ZERSTÖRUNG DER ALTEN WESTEND-APOTHEKE

Gleich beim ersten Tagesangriff auf Frankfurt, am 29. Januar 1944, wurde die Apotheke schwer beschädigt. Doch dank vieler helfender Hände konnte der Betrieb ununterbrochen weitergehen. Zwei Monate später, in der furchtbaren Bombennacht vom 22./23. März 1944, ging das Haus in Flammen auf. Nach langen zermürbenden Verhandlungen mit den Behörden fanden sich neue Räume im teilbeschädigten Haus der Württembergischen Feuerversicherung, Bockenheimer Landstraße, Ecke Feuerbachstraße. Die wichtigsten Reparaturen wurden vorgenommen, Medikamente teils gekauft, teils von einigen Ausweichlagern zurückgeholt.

DIE NOTAPOTHEKE

Die Noteinrichtung war gerade mühsam zusammengetragen, die Apothekeneröffnung stand kurz bevor, als das Haus beim nächsten größeren Feuerangriff, am 12./13. September 1944, völlig niederbrannte. Da durch das schwebeschädigte Dach und die undichte Betondecke Wasser auf die Rezepte tropfte und Medikamente gefährdete, genehmigte das Bauamt endlich ein Notdach. In dieser schweren Zeit hielt die Bürgerschaft vorbildlich stand. Tagsüber angestrengte Tätigkeit, nachts stundenlanges Ausharren im Luftschutzkeller ohne Schlaf. Obdachlos, in Trainingshosen, mit Kopftüchern, zerschlissenen Schuhen, so irrten die Menschen hungernd durch die aufgerissenen Straßen.

LETZTER KRIEGSSCHADEN

Kurz vor der Besetzung durch die Amerikaner erlebte die Westend – Apotheke am 9. März 1945 zum vierten Mal schwere Bombenschäden, der jedoch durch neu eingezogene Wände in den Kellerräumen behoben werden konnte. Abermals musste die Inneneinrichtung ergänzt werden. Bis zur Währungsreform gestaltet sich die Arzneimittelbeschaffung immer noch sehr schwierig. Viele Hilfsbedürftige kamen in die Westend – Apotheke.

AUFBAU IN DER BRENTANOSTRASSE

1950 Kaum waren die schwersten Sorgen behoben, forderte die Allianz dringend ihre Räume zurück. Das Trümmergrundstück der Apotheke Bockenheimer Landstraße/Ulmenstraße kam für den Weideraufbau nicht in Frage, dagegen ergab sich an der Bockenheimer Landstraße, in der Brentanostraße 29, im Erdgeschoss eines wiedererstellten Hauses eine günstige Umbaumöglichkeit.

Einige Innenräume der Westend – Apotheke folgen im Bilde: Offizin (Verkaufsraum), Laboratorium, Materialkammer, Arzneikeller und Nachdienstzimmer. Außerdem gehören zur Apotheke noch Vorratsräume, Büro und Flaschenkeller. Über all diese Räume muss eine Apotheke laut Gesetz verfügen; sie werden regelmäßig amtlich überprüft. Die Westend – Apotheke lagert alleine rund 10.000 Artikel und verfügt über 1.500 Standgefäße.

 Stand dieses Artikels ist 1955

Die Westend – Apotheke des 21. Jahrhunderts

Seit dem Neuaufbau und der Ersteröffnung am 1. August 1950 der Westend Apotheke in der Brentanostraße 29, steht diese noch nach 67 Jahren am selben Fleck. Die Zeiten haben sich fortschrittlich geändert und so auch die Westend – Apotheke unter der neuen Leitung von Homira Alavi.

Im November 2015 übernahm Frau Alavi die Apotheke und begann, wie es schon aus der jahrhundertalten Geschichte der Westend Apotheke bekannt war, mit dem Umbau und der Modernisierung der Westend - Apotheke des 21. Jahrhunderts. Die Westend – Apotheke wurde von Grund auf renoviert und restauriert. Alte Räumlichkeiten verschwanden und neue Räumlichkeiten wurden erschaffen. Auch die Umgebung im Westend hat sich denkbar verändert. Doch die alte Tradition der Westend – Apotheke: den Menschen vorbeugend, lindernd und heilend zu helfen, ist auch heute noch dieselbe.

Mit freundlichen Grüßen

Homira Alavi